
Prima facie
Suzie Miller/Frank Hoffmann
Deutsch von Anne Rabe
20.03.2026,19.30
21.03.2026,19.30
26.03.2026,19.30
27.03.2026,19.30
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Die Strafrechtsanwältin Tessa ist sehr erfolgreich. Sie kennt alle Finten, um Freisprüche zu erreichen, auch wenn die
Beweislage zunächst aussichtslos wirkt. Ihre Spezialität sind schwierige Fälle etwa bei sexuellen Straftaten, indem sie akribisch Fehler der Anklage aufdeckt.
Das Gesetzsystem ist ein hohes Gut, vor Gericht geht es keineswegs um Gefühle und Moral, und solange keine Schuld nachzuweisen ist, gilt die Unschuldsvermutung. Doch dann wird Tessas Kollege Julian nach einer durchfeierten Nacht ihr gegenüber übergriffig. Auf einmal steht Tessa auf der anderen Seite, verteidigt nicht den Sexualstraftäter, sondern klagt ihn an und muss selbst die Beweise und Argumente erbringen, die sie sonst widerlegt hat. Der Situation vor Gericht, die sie bisher immer so gut im Griff hatte, fühlt sie sich nun komplett ausgeliefert. Und so tappt sie in eben jene Fallen, die sie sonst den anderen stellte.
Die australisch-britische Autorin Suzie Miller ist selbst Juristin.
Dadurch dass Prima Facie hier in einem Gerichtssaal zur Aufführung kommt, wird es zu einem menschlichen Plädoyer, das auch über den realen Ort erfahrbar macht, wo gerade aus Opfersicht die Schwächen des Rechtssystems liegen.
Carolin Freund zeigt wandelbar Tessas steinigen und ehrgeizigen Weg zur Anwältin, das Drama des Missbrauchs und die Last des Opfers vor Gericht. Frank Hoffmann versucht den Spagat, das Theaterstück mit der besonderen Atmosphäre des Gerichts zu verbinden. Dabei mutiert nach den Vorstellungen am Trierer Landgericht nun der große Sitzungssaal in der Cité Judiciaire zum authentischen Theaterort.
Selten erlebt man eine derart eindrucksvolle One-Woman-Show.
Luxemburger Wort
Die Aura des Justizgebäudes kontrastiert das künstlerische Erlebnis mit der nüchternen Realität und macht die Botschaft umso eindringlicher. Trierischer Volksfreund
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Regie: Frank Hoffmann
Bühnenbild: Bernhard M. Eusterschulte
Kostüme: Yvonne Wallitzer
Dramaturgie: Karen Schultze
Mit: Carolin Freund
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Cour Supérieure de Justice, Cité Judiciaire, Salle 0.19
Plateau du Saint-Esprit, Luxembourg
Eine Produktion: Theater Trier
In Koproduktion mit: Théâtre National du Luxembourg,
Administration Judiciaire