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Courage

 

1997-2027  Den Théâtre National du Luxembourg feiert seng  30 Joer

 

Gebuertsdagsfeier : Juni 2027 !

 

Theater beginnt dort, wo der Mut größer wird als die Angst.

Courage nennen wir deshalb diese Spielzeit.

Nicht als Pose. Denn die wirkliche Courage zeigt sich selten im großen Gestus. Sie lebt in den kleinen Entscheidungen. Im Widerspruch. Im Zuhören. Im Zweifel. Im Beharren.

Dass dieses Leitmotiv ausgerechnet unsere Jubiläumsspielzeit prägt, ist kein Zufall.

Vor dreißig Jahren entstand das Théâtre National du Luxembourg aus einer Idee, die von manchen Betrachtern erstmal gar nicht als ein Akt der Courage, sondern als pure Dreistigkeit beschrieben wurde. Ein nationales Theater zu schaffen – in einem Land, dessen größte Stärke gerade seine Offenheit ist, seine Mehrsprachigkeit, seine Vielfalt, seine Lage mitten in Europa. So verstand sich dieses Haus auch von Anfang an nie als Denkmal einer Identität, sondern als Labor. Als Ort der Begegnung zwischen Sprachen, Kulturen und künstlerischen, oft mutigen Handschriften.

Was tun, wenn die Welt aus den Fugen gerät? Unsere Spielzeit erzählt von Menschen, die sich dem Strom widersetzen, die Verantwortung übernehmen, aufbrechen,  überleben oder an ihrer Courage zerbrechen.

Sein oder Nichtsein erinnert mit Lubitschs unvergleichlicher Leichtigkeit daran, dass Humor eine Form des Widerstands sein kann. Brundibár und Alice – Spiel um dein Leben zeigen, wie Kunst selbst Terror und Verfolgung überdauert. L'enfant soldat née musique erzählt von Gewalt und der rettenden Kraft der Musik, Le syndrome d'Ulysse und Silence on rêve von Flucht, Identität und dem Mut, anders zu sein.

Mit Polaris richten wir den Blick auf die Zerbrechlichkeit des Planeten, Lichtspiel fragt nach der Verantwortung von Kunst in der Diktatur, L’ennemie du peuple nach Wahrheit, Mehrheit und Gewissen. Auch die Arbeiten von Anne Simon, Sibylle Berg, Charles Meder, Nuno Cardoso und Jacques Schiltz suchen keine einfachen Antworten und bewegen sich somit ganz nah an dem, was das TNL schon immer war: ein Forum, an dem debattiert wird, mutig, radikal, widersprüchlich. Desgleichen erzählt die TNL-Fassung von Anna Karenina, die ob ihres großen Erfolges wiederaufgenommen wird, von der Courage, gegen Konventionen zu leben und den Preis dafür zu tragen.

Mit einer Hommage an Pol Greisch und Dans les paroles, j’écoute le silence nach Anise Koltz würdigen wir zwei herausragende Stimmen der luxemburgischen Literatur.

Und da gibt es nochmal den geballten Blick über die eigenen Grenzen hinaus. Das UTE-Showcase versammelt Künstlerinnen und Künstler aus Ljubljana, Cluj, Rom und Luxemburg. Wir hören zu, wie sie über Krieg und das Verschwinden erzählen, und wie besonders die Stimmen der Frauen lauter und eindringlicher werden. Dieser theatrale europäische Dialog verschiebt auf seine Art Grenzen. Auch das ist heute Courage.

Dabei ist das Theater die vielleicht flüchtigste aller Künste. Es existiert nur für einen Abend. Im Licht. In der Stimme. Im Atem der Schauspielerinnen und Schauspieler. In der Auf-merksamkeit eines Publikums, das diesen einen unwiederbringlichen Augenblick teilt.

Und genau darin liegt seine Kraft.

Weil nichts bleibt, muss alles wahrhaftig sein. Weil nichts konserviert werden kann, zählt allein die Begegnung. Vermutlich ist das in einer Zeit permanenter Verfügbarkeit, unendlicher digitaler Archive und rastloser Bilderströme die eigentliche Courage des Theaters: auf die Gegenwart zu vertrauen. Auf die lebendige Anwesenheit. Auf das Gespräch, das sich weder speichern noch reproduzieren lässt.

Wenn wir im Juni 2027 gemeinsam das dreißigjährige Bestehen des Théâtre National du Luxembourg feiern, feiern wir

deshalb nicht nur die Geschichte eines Hauses. Wir feiern tausende solcher vergänglichen Augenblicke, in denen Fremde für zwei Stunden eine Gemeinschaft wurden.

Vielleicht besteht die Aufgabe eines Theaters genau darin. Nicht die Welt zu erklären. Sondern sie für einen Moment bewohnbar zu machen.

Seit dreißig Jahren versucht das TNL, ein solcher Ort zu sein. Ein Ort der Neugier, der Offenheit, der Leidenschaft und – ja! – der Courage. Nehmen auch Sie diese in beide Hände: Wir heißen Sie dabei herzlich willkommen!

Frank Hoffmann

zeit für Neues

ZEIT FüR NEUES

Mit jeder Spielzeit beginnt etwas Neues. Für uns ist diese Spielzeit aber auch eine Zeit des Wandels. Während auf der Bühne neue Geschichten entstehen, bereiten wir unser Theater auf neue Herausforderungen vor, die in den kommenden Jahren auf uns warten.

Wir wünschen uns ein Theater, das nicht nur durch sein Programm offen ist, sondern auch durch seine Haltung. Ein Haus, in dem möglichst viele Menschen ihren Platz finden und sich willkommen fühlen. Deshalb bauen wir unsere Inklusions-angebote weiter aus. In der kommenden Spielzeit bieten wir beispielsweise erstmals Relaxed Performances an und arbeiten daran, Zugänge zu erleichtern und Barrieren abzubauen.

Auch räumlich stehen Veränderungen bevor. Unser Theater wird ab Ende 2027 renoviert und ausgebaut. Mit den Umbau-arbeiten beginnt ein neuer Abschnitt. Am Ende dieser Saison ziehen wir daher aus unserm angestammten Theater aus. Bis zum Beginn der Arbeiten bleibt es aber Spielort, während wir mit dem TNL Atelier im Herbst unseren Interimsspielort eröffnen. Während der gesamten Saison bespielen wir beide Spielorte gleichzeitig. Dass dies reibungslos gelingt, verdanken wir dem großen Engagement unserer Mitarbeitenden in Technik und Verwaltung. Ihnen allen möchten wir an dieser Stelle unseren besonderen Dank aussprechen.

Es wird also eine ereignisreiche Saison. Zwischen mutigem Aufbruch und Veränderung gibt es auch Anlass zum Feiern: Im Juni 2027 feiern wir in festlichem Rahmen das 30-jährige Bestehen unseres Theaters. Wir freuen uns darauf, diesen besonderen Moment sowie die gesamte Spielzeit gemeinsam mit Ihnen zu erleben.

Antonia Kohler

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