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Wären Sie ein SandsturM

Literarische Grenzgänge mit Nico Helminger, André Jung  und Sascha Ley

18.06.2022, 20.00

19.06.2022, 17.00

Es geht um Namen und Sprache und deren Hinterfragung, um die Verrückung, die jedes sich Aneignen von Welt durch Sprache darstellt. Sagen wir: Jeder Künstler schneidet sich irgendwann ein Ohr ab, wenn es auch nur ein inneres ist.

 

Diese Aussage aus einem Interview zur Aufführung von Pegel der Gerechtigkeit im Jahr 2010 ist bezeichnend für das Schreiben von Nico Helminger, bei dem Sprache eine entscheidende Rolle spielt. Immer wieder hat er sich in seinem Werk mit Randfiguren befasst, mit Aussteigern, Außenseitern, Ausgeschlossenen, aber auch mit sogenannten Durchschnittsmenschen, die womöglich gar nicht so durchschnittlich sind, denen aber die Sprache fehlt, ihr Leiden auszudrücken, und die an ihrem Nichtausgesprochenem zugrunde gehen. Nico Helminger wurde des Öfteren als Sprachvirtuose bezeichnet, was seiner Arbeit aber nur zum Teil gerecht wird; ihm geht es nicht um Virtuosität, sondern um das Aufzeigen unterschiedlicher individueller und gesellschaftlicher Befindlichkeiten. Selbstredend überschreitet er dabei mehr als einmal die ohnehin nie ganz undurchlässige Grenze zum Reich des Borderline, zwischen den Welten. Er lässt es zu, wie Martin Theobald schrieb, dass die Sprache sich verläuft, verheddert, Umwege sucht, um das Ziel zu finden.

 

Im Mittelpunkt dieser szenischen Lesung steht die Betrachtung von Identität als eine Form der Erzählung; die Ich-Geschichte ist immer auch ein Stück Fiktion, sprachliche Narration, die das existierende Ich in gleichem Maße beeinflusst wie ein reales Ereignis.

 

Nico Helminger ist ein Wandler zwischen Sprachen und Genres, dementsprechend wird diese Lesung auch mehrsprachig sein und sowohl Lyrik wie Prosa und Drama enthalten, wobei der Schwerpunkt auf weniger bekannten oder unveröffentlichten Texten liegen wird. Selbstverständlich wird auch der typische Helmingersche Humor nicht fehlen.

 

Ihm zur Seite stehen Sascha Ley und André Jung. Während Sascha Ley ein einzigartiges Gefühl für Sprache und deren musikalischen Ressourcen besitzt, taucht André Jung meisterhaft in die geistige und emotionale Substanz von Texten ein. Ein Leseerlebnis der besonderen Art.