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Superspreader

Albert Ostermaier / Rafael Sanchez

Uraufführung

09.03.2021, 20.00

10.03.2021, 20.00

11.03.2021, 20.00

„Alles fing mit Null an. Mit mir. Ich war der Erste. Die Kurve steigt, und ich verfolge ihre Flugbahn.“

 

Marcel ist Consultant, Unternehmensberater, Frequent Flyer, High Performer — die personifizierte Finanzindustrie. Seine zahlreichen Businesstrips haben ihn mehrfach um die ganze Welt geführt, von Flughafen zu Flughafen, immer unter Strom, kaum angekommen schon wieder unterwegs. Bis er plötzlich festsitzt in Wuhan. In Quarantäne. Denn ein Virus ist unterwegs, ähnlich effizient wie Marcel und ebenso anpassungs- und wandlungsfähig. Wie im Fiebertraum springt Marcel durch Zeit und Raum. Erinnerungs-Flashs an eine Kindheit voller Demütigungen wechseln sich ab mit Schilderungen finsterer Orte der Ausbeutung von Mensch und Tier. Schlachthöfe, Wildtiermärkte — überall, wo das Virus war, war auch Marcel auf seiner Reise. Oder ist es eine Flucht? Wer ist Marcel eigentlich? Patient-Null, der als Superspreader im Auftrag des Virus unterwegs ist irgendwo zwischen Größenwahn und Gier, Rachlust und unendlicher Verlorenheit? Ein dystopischer Optimierer auf seinem apokalyptischen Ritt über die globalen Finanzmärkte?

Albert Ostermaier lässt seinen ruhelosen Protagonisten mit irrsinniger Sprachlust durch einen fulminanten Text rasen. An jedem Satzende entzündet sich ein neuer Gedanke, eine phantastische Assoziationskette infiziert die nächste: ein mitreißender Monolog voller Abgründe und hochansteckender Energie.

Peter Lohmeyer wurde 1962 in Niedermarsberg geboren. Er besuchte die Westfälische Schauspielschule in Bochum, wo ihn bereits während des Studiums Claus Peymann ans Schauspielhaus Bochum holte. Es folgten Stationen und bedeutende Theaterarbeiten am Staatstheater Stuttgart, am Düsseldorfer Schauspielhaus, am Berliner Schillertheater und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. Ab 2013 war Peter Lohmeyer bei den Salzburger Festspielen im Jedermann als Tod zu sehen.

1988 gab Peter Lohmeyer sein Kinodebüt in Dominik Grafs Tiger, Löwe, Panther. Es folgten dessen Filme Spieler (1990) und Der Felsen (2002) sowie Peter Sehrs Kaspar Hauser (1993). Seinen größten Erfolg feierte er 2003 als Kriegsheimkehrer Lubanski in Sönke Wortmanns Das Wunder von Bern. Es folgten Rollen in Tom Sawyer und Die Abenteuer des Huck Finn (Regie: Hermine Huntgeburth, 2011/12), Fünf Freunde 2 (Regie: Mike Marzuk, 2013), The Girl King (Regie: Mika Kaurismäki, 2014) und Heidi (Regie: Alain Gsponer, 2015). 2016 spielte er u.a. in Henning Beckhoffs Die Grenzen der Stadt und Adolf Winkelmanns Junges Licht; zuletzt 2019 in Nahschuss (Regie: Franziska Stünkel).

Peter Lohmeyer ist immer wieder auch in Gastrollen in Fernsehserien zu sehen. Für seine Gestaltung des Lubanski erhielt Peter Lohmeyer 2004 den Publikumspreis des Deutschen Filmpreises als „Schauspieler des Jahres“. Zu seinen weiteren Auszeichnungen zählen u.a. der Deutsche Filmpreis als „Bester Nebendarsteller“ in Zugvögel … Einmal nach Inari (1998), der Bayerische Fernsehpreis als „Bester Hauptdarsteller“ in Der Elefant in meinem Bett (2000) und 2007 der Filmpreis der Stadt Hof.

 

Diese Premiere war ebensowenig geplant wie die Pandemie. Umso mehr freuen wir uns, dass Rafael Sanchez, Hausregisseur am Schauspiel Köln, nun den fieberhaften neuen Text von Albert Ostermaier am TNL — und am Finanzplatz Luxemburg — zur Uraufführung bringen wird— mit dem gefeierten Bühnen- und Filmschauspieler Peter Lohmeyer in der Titelrolle.

Text: Albert Ostermaier

Regie: Rafael Sanchez

Dramaturgie Florian Hirsch

Mit: Peter Lohmeyer

Eine Produktion Théâtre National du Luxembourg

Pressetimmen

Jedes Wort kann hier das Sprungbrett für den nächsten Gedanken sein, es ist fast ein bisschen wie bei Elfriede Jelinek. Sprachbilder mutieren wie Viren und fügen sich zu einem manischen Assoziationsstrudel, ansteckungsgefährlich. (…) Ostermaiers "Superspreader" ist eine Pandemie-Geburt, eine idiosynkratische Reaktion auf die Zeit. Neurotisch, dystopisch, angstwutpoetisch

—  Süddeutsche Zeitung