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Nacht und Träume

Samuel Beckett / Jura Soyfer/ Frank Hoffmann
Kreation

23.09.2022, 20.00

25,09.2022, 17.00

29.09.2022, 20.00

30.09.2022, 20.00

Sonne: Also warum, Himmelfixsternelement, haben Sie eigentlich die Erde verschont?

Konrad: Ich habe sie beim Näherkommen so ein bisserl kennengelernt.

Sonne: Und?

Konrad: Und – ich habe mich in sie verliebt

Nacht und Träume, 1982 für den Süddeutschen Rundfunk verfasst, ist das letzte Fernsehspiel von Samuel Beckett. Ein Stück ohne Worte. Alles, was man hört, ist eine männliche Stimme, die summt, dann singt, die letzten sieben Takte von Schuberts Lied, dessen Titel Pate stand für Becketts Nachtstück.

 

Dem Komponisten fühlte Samuel Beckett sich stets sehr verwandt, als „Freund im Leid“. Die „Elemente“ von Nacht und Träume werden vom Autor ebenso klar wie diffus definiert. Gleichwohl bleibt der Text ähnlich geheimnisvoll und sublim wie Albrecht Dürers berühmte

Zeichnung „Betende Hände“, die als Kopie in Becketts Kinderzimmer hing und den Autor später zu seinem weitgehend stummen Stück ins-pirierte. Und obwohl Becketts Werk wie kaum ein anderes um ein gottloses Universum kreist, suggerieren die im Stück omnipräsenten Hände einen Hauch von Trost, eine Art Segen.

 

Jura Soyfers Weltuntergang, das zwar wenig Trost bietet, dafür jedoch umso mehr groteske Komik, erzählt von den „letzten Tagen der Menschheit“. Sein dramatisches Debüt, eine dezidierte Warnung vor dem Krieg und dem erstarkenden Nationalsozialismus, wurde im Mai 1936 in Wien uraufgeführt und schon im Juli wieder abgesetzt.

Bereits mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs erwies sich der Text als auf unheimliche Weise prophetisch.

 

In Soyfers Stück steht die Menschheit kollektiv vor der Katastrophe. Die planetarische Gemeinschaft schickt den Kometen „Konrad“ aus, um die heillos verlorene Erde zu zerstören. Professor Guck warnt die Regierungen — vergeblich, und die bedrohte Menschheit taumelt in  maximaler Verblendung ihrer Auslöschung entgegen.

 

Lange vor unserer brüchigen Zeit zeigte sich der 1912 im zaristischen Charkow (heute Charkiw, Ukraine) geborene Jude Jura Soyfer als scharfsichtiger Analytiker der nahenden Apokalypse. Der glühende Antifaschist zählt zu den bedeutendsten politischen Schriftstellern Österreichs. Er starb im Alter von gerade einmal 26 Jahren im KZ Buchenwald.

 

Frank Hoffmann vereint in Nacht und Träume/ Weltuntergang einen Film und einen Text, die thematisch die neue Spielzeit grundieren, aber gegensätzlicher nicht sein können.  Nach Becketts minimalistischer Existenzdiagnose führt Jura Soyfer den Weltuntergang als groteske, fast barocke Komödie vor. Ein mehr als symbolischer Abend.

 

Regie: Frank Hoffmann

Dramaturgie: Florian Hirsch

Raum: Christoph Rasche

Kostüme: Denise Schumann, Christoph Rasche

Musik und Soundeffekte: René Nuss

Regieassistenz: Patrick Gafron

 

Mit: Nickel Bösenberg, Ulrich Kuhlmann, Jean-Paul Maes, Anne Moll, Tatiana Nekrasov

 

Eine Produktion: Théâtre National du Luxembourg

Ce qu'en dit la presse

Frank Hoffmann gelingt mit „Nacht und Träume/Weltuntergang“ eine gewagte Kombination zweier Werke. Ein ansehenswertes Stück. https://www.wort.lu/de/kultur/unterhaltsame-apokalypse-im-tnl-6331c887

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