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Betrachtung/Das Urteil

Ulrich Kuhlmann liest Franz Kafka

22.01.2021, 20.00

Uraufführung

 

Die Nacht vom 22. auf den 23. September 1912 war eine Sternstunde der Literatur. Da schrieb in Prag, von 10 Uhr abends bis 6 Uhr früh, der Jurist Franz Kafka in einem einzigen, ununterbrochenen Rausch seine Erzählung Das Urteil.

 

Hatte Franz Kafka vorher nur in kleinen, doch grandiosen Aperçus, die er “Betrachtungen” nannte, sein schriftstellerisches Talent ausprobiert, so wurde ihm jetzt bewusst, dass er mit diesem kurzen Text endgültig in die Literatur eingetreten war. Nur so kann geschrieben werden, nur in einem solchen Zusammenhang, mit solcher Öffnung des Leibes und der Seele, notierte er am nächsten Tag. Er hatte in seiner, ihm liebsten Erzählung auch sein Thema gefunden, das er in seinen weiteren Werken immer wieder aufgreifen und neu variieren sollte: die Konfrontation des Einzelnen mit einer Ordnungsmacht, das zum Scheitern verurteilte Aufbegehren des Individuums gegen eisern auftretende Autoritäten – hier dargestellt an der verhängnisvollen Begegnung eines Sohnes mit seinem alles kontrollierenden Vater.

 

Ein paar Monate später wird Kafka in Die Verwandlung den Vater-Sohn-Konflikt noch einmal beschreiben und gleichermaßen tragisch enden lassen. Denn in seiner Literatur, wie auch in seinem Leben, sterben vor den Vätern immer die Söhne.

Neben Das Urteil werden Passagen aus Kafkas Erzählband Betrachtung  von Ulrich Kuhlmann, der in Frank Hoffmanns Inszenierung Die Verwandlung den Vater spielt, mit der ihm ganz eigenen Eindringlichkeit und einem ausgeprägten Gefühl für sprachliche Kunstwerke vorgetragen.

 

Von Franz Kafka wird gerne behauptet, dass er ein Visionär gewesen sei, der manche gesellschaftlichen Fehlentwicklungen genau vorausgesehen habe. Doch wer hätte gedacht, dass er auch die Corona-Krise bereits vor fast hundert Jahren vorausahnte, als er in einem seiner Aphorismen schrieb: Es ist nicht notwendig, dass Du aus dem Haus gehst. Bleib bei Deinem Tisch und horche. Horche nicht einmal, warte nur. Warte nicht einmal, sei völlig still und allein. Anbieten wird sich Dir die Welt zur Entlarvung, sie kann nicht anders, verzückt wird sie sich vor Dir winden.

 

Nehmen Sie aber diesmal Kafkas Ratschlag nicht zu sehr beim Wort, sondern setzen Sie Ihre Schutzmaske auf und kommen Sie zu Ulrich Kuhlmanns Lesung, um sich von Kafkas einzigartigen Erzählungen begeistern zu lassen.

 

Einrichtung: Olivier Ortolani

 

Mit: Ulrich Kuhlmann

Eine Produktion: Théâtre National du Luxembourg

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Texte

 

—  Auteur, Journal

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