Home  /  Vorwort

Vorwort

Gegen die Gleichgültigkeit

Das Gute und das Böse. Vergangene Begrifflichkeiten. Versunken im Müll der Geschichte wie all die sperrigen Konzepte aus Religion und Philosophie.

Wahrheit und Lüge. Überkommene Normen. Mit der Lüge hat die Gleichgültigkeit die dunklen Hinterzimmer der Ministerkabinette verlassen, um durch das große Tor Einzug in die Politik zu halten.

Die Frage nach dem Sinn. Was für eine Verschwendung. Die mediale Gesellschaft berechnet die menschlichen Beziehungen bis zum Intimsten und überlässt einer beherrschenden, aber entleerten Form freien Raum. Der Inhalt bleibt auf der Strecke.

Der graue Morgen der Toleranz, den Pasolini vor fast einem halben Jahrhundert angekündigt hat, ist angebrochen.

Das einheitliche, neoliberale Denken reißt auf seiner Bahn alles mit sich, provoziert dabei im Gegenlauf die heutigen Nationalismen. Beidem stellt sich das Theater entgegen. Es sucht nach dem Sinn, der Wahrheit und dem Guten. Das Theater sagt ja und es sagt nein. Es lebt von der Spannung, von der Suche. Gegen die Gleichgültigkeit.

Die grossen Fragen

Das Théâtre National du Luxembourg hat große Autoren gewählt, um die großen Fragen zu stellen. Fragen, scheinbar aus der Mode gekommen, aber von entscheidender Bedeutung. Dostojewski und Strindberg sind diese ewigen Wahrheitssucher, die das Gute noch im Schlamm einer heruntergekommenen Gesellschaft entdecken. Brecht problematisiert den Begriff des Rechts, Rewenig und die Projekte Strangers und Moçambique fragen nach dem Anderen. Der Mensch in seiner existentiellen Einsamkeit steht im Zentrum von Büchners Lenz und Poes The Raven.

The Standard Bearer, End of the Rainbow und der Beethoven-Abend thematisieren das fragile Dasein des Künstlers, während Le Navire Night, La dispute und L’écume des jours von der Liebe erzählen – von Hoffnungen, Gefahren und Enttäuschungen. Die Autorenresidenz am TNL fällt in dieser Spielzeit auf den Luxemburger Daniel Dumont, dessen Werk von den Verwicklungen zwischen Politik und Privatleben berichtet.

Schlagkräftige Themen, außergewöhnliche Künstler, alles ist angerichtet für eine einmalige  Saison, gewürzt mit Musik, Tanz und Theater für Kinder.

Nach dem Jugendclub und der Kannerbühn hebt das TNL künftig einen Theaterclub aus der Taufe. Alle erwachsenen Freunde und Liebhaber des Theaters sind aufgefordert, ihre Träume zu verwirklichen und die Bretter zu betreten, die Shakespeare zufolge die Welt bedeuten.

20 Jahre

Und dazu feiert das Théâtre National du Luxembourg im Oktober 2017 sein 20jähriges Jubiläum. Gegründet im Oktober 1997 mit Strindbergs Traumspiel, ist das TNL zwar immer noch eines der jüngsten euro-päischen Theater, es  hat sich aber in der kulturellen und theatrali-schen Realität etabliert – dies nicht nur in unserem Land, sondern weit darüber hinaus. Davon zeugt eine herausragende Präsenz jenseits unserer Grenzen, von Berlin bis Los Angeles. Ein herzlicher Dank geht an das großartige Team des TNL und an all die wunderbaren Schauspieler und Techniker, die an mehr als 275 Projekten während dieser Jahre mitgearbeitet haben. Ein besonderer Dank geht aber am Ende an Sie, unser liebes, engagiertes Publikum! Bleiben Sie uns erhalten!

 

Frank Hoffmann

Intendant