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Die Nacht vor Crécy

Eine Farce

Uraufführung

Von Rafael David Kohn

„Als Dramatiker über ein historisches Ereignis zu schreiben ist ein besonderes Wagnis. Man läuft Gefahr, sich in Details zu verlieren und einen Text für Historiker zu verfassen. Seit Jahren fasziniert mich die Figur Johann des Blinden, jenes Ritterkönigs, der blind in die Schlacht ritt, um den Heldentod zu sterben.

Die Schlacht von Crécy läutet das Ende des Rittertums ein. Die gepanzerte Reiterei war dem moderneren englischen Langbogen weit unterlegen. Die Chroniken widersprechen sich, was die genaue Anzahl der Ritter und Bogenschützen angeht, doch eins ist klar: Es waren zehntausende französische Opfer zu beklagen.

Ein König entschied sich, nachdem er die ganze Nacht mit seinem Vater diskutiert hatte, das Schlachtfeld vorzeitig zu verlassen: Karl IV, Verfasser der Goldenen Bulle, Erbauer der Prager Altstadt und der nach ihm benannten Karlsbrücke. Als deutsch-römischer Kaiser läutet er das Zeitalter des Bürgertums ein, er ist die Antithese seines Vaters Johann des Blinden, eines Turnierhelden, Geldfälschers und Kriegstreibers.

Worüber haben beide gesprochen? Weswegen hat Karl das Schlachtfeld verlassen?

Hierüber kann man nur spekulieren, hier öffnet sich der Freiraum des Autors, den ich genüsslich ausgekostet habe. Das Ende des Rittertums und der Beginn des Bürgertums, ein bedeutender Paradigmenwechsel: Der Zyklus von Tod und Wiedergeburt reduziert auf die Ereignisse einer Nacht. Rafael David Kohn

In der Inszenierung von Jacqueline Posing-Van Dyck wird man unter anderem die bekannten Schauspieler Marco Lorenzini,  Konstantin Rommelfangen und Serge Wolf wiedersehen.

Rafael David Kohn schreibt Prosa, Theatertexte und Drehbücher, führt begeistert Regie und leitet Schreibworkshops. Nach einem Start als Theatertechniker am Théâtre du Centaure studierte er Szenisches Schreiben an der Universität der Künste in Berlin und debütierte 2009 mit « Bushmeat » an den Bühnen der Stadt Gera.

 

Bisher wurden dreizehn seiner Stücke in Deutschland, Luxemburg, Rumänien und Togo aufgeführt. Seine Arbeit umfasst Kurzgeschichten, Essays, Artikel, Drehbücher und Hörspiele, zum Teil auch in englischer Sprache: Im vergangenen Jahr richtete Hannah Simon sein „Smile“ im Rahmen des TalenLAB18 an den Théâtres de la Ville du Luxembourg als Lesung ein.

Im Jahr 2017 veröffentlichte er seinen ersten Roman « Che Guevara war ein Mörder ». Auf seine „Rede zum Theater“ wird noch in diesem Jahr seine „Rede zur Literatur“ folgen.

In dieser Spielzeit ist Rafael David Kohn Hausautor am Théâtre National du Luxembourg, wo er zu Beginn dieses Jahres seinen Text „Demandez au Président“ in einer deutsch-englischen szenischen Lesung auf die Bühne brachte. Während der Residenz am TNL verfasste er die tragische Farce „Die Nacht vor Crécy“, die jetzt zur Uraufführung kommt

Vorstellungen am 20., 26., 27., 30. Juni um 20h00